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Rennrad bei Regen: Bremsen, Reifen, Pflege — und der smarte Umstieg fürs Pendeln

cocape Fahrrad-Regenschutz Pinterest-Pin – Pendeln bei jedem Wetter

Sonntag, 6:48 Uhr. Der Himmel über dem Taunus ist offen, aber im Westen schiebt sich ein dunkler Streifen heran. Vor der Tür: Carbon, 7,1 kg, hydraulische Disc-Bremsen, frisch geputzt. Es ist die Sorte Tour, bei der die Frage nicht ist, ob es regnen wird — sondern wann. Die ehrliche Antwort vorweg: Rennradfahren bei normalem Regen ist mit moderner Ausrüstung sicher beherrschbar. Schmale Reifen mit hohem Druck, aggressive Sitzposition und je nach Bauart Felgen- oder Scheibenbremsen reagieren auf Nässe trotzdem komplett anders als ein Citybike. Dieser Guide zeigt, was sich 2024 und 2025 in Bremstests gezeigt hat, welcher Reifendruck wirklich greift, wie die Pflege-Routine nach der Regenfahrt aussieht — und warum viele ambitionierte Sportler:innen den Werktagspendelweg auf ein zweites, alltagstaugliches Rad verlegen. Wer das Pendeln strukturiert angehen will, findet im 30-Tage-Pendler-Plan einen Fahrplan.

Ist Rennradfahren bei Regen sicher?

Ja — mit klaren Einschränkungen. Anders als beim Auto gibt es bei Rennrad-Reifen praktisch kein Aquaplaning, weil die Aufstandsfläche zu gering ist. Die wirklichen Gefahren sind nasse Kurven, Bodenmarkierungen, Kanaldeckel, Straßenbahnschienen und Laub. Hinzu kommen je nach Setup Felgenbremsen, deren Wirkung bei Nässe deutlich abnimmt, sowie schmale Reifen mit weniger seitlichem Halt.

Die kritischste Temperatur-Kombination liegt bei 0 bis 3 Grad mit Regen — hier kann sich überfrierende Nässe bilden, ohne dass das Thermometer Frost zeigt. Auf nasser Fahrbahn rutscht ein 25-mm-Reifen mit hohem Druck deutlich schneller weg als ein breiterer Tourenreifen. Der Deutsche Wetterdienst verzeichnet seit Jahren eine Zunahme von Niederschlagsperioden im Frühjahr und Herbst — also genau in den Monaten, in denen die Rennrad-Saison Fahrt aufnimmt.

Die ehrliche Antwort: Wer als Hobby-Sportler:in trainiert, kann bei normalem Regen problemlos fahren — wenn die Ausrüstung stimmt und das Tempo angepasst wird. Wer dagegen pendelt und am Ziel präsentabel sein will, hat es auf einem Citybike, Trekking- oder E-Bike deutlich einfacher.

Pendler auf Trekkingrad auf Stahlbrücke an sonnigem Tag nach Regen

Wie sicher ist eine Felgenbremse bei Regen wirklich?

Hier liegt der größte Unterschied zu trockenem Wetter. Hydraulische Scheibenbremsen verlieren bei Nässe kaum Bremswirkung — der Bremsweg verlängert sich nur durch reduzierten Reifengrip, nicht durch die Bremse selbst. Klassische Felgenbremsen verlieren dramatisch: Die Bremsbeläge müssen erst das Wasser von der Felge wischen, bevor Reibung entsteht. In dieser ersten Phase rollt das Rad praktisch unbremst weiter.

Das TOUR-Magazin beziffert diesen Effekt 2024 mit ein bis zwei vollen Radumdrehungen Verzögerung, bevor die Felgenbremse bei Regen ihre eigentliche Wirkung entfaltet — bei 30 km/h sind das schnell sechs bis zwölf Meter zusätzlicher Bremsweg. Auch der roadcycling.de-Direktvergleich zwischen Scheibe und Felge kommt zum gleichen Ergebnis: Bei Nässe ist Disc der Sicherheitsgewinn — und nicht zufällig sinkt laut TOUR die Nachfrage nach Felgenbremsen seit Jahren in der Branche.

Bremssystem Bei Trockenheit Bei Nässe Empfehlung 2025
Hydraulische Scheibe Volle Wirkung sofort Praktisch unverändert Heute Standard, klar bevorzugt
Mechanische Scheibe Volle Wirkung Leicht reduziert Solide Alternative, einfache Wartung
Felgenbremse Alu Volle Wirkung Deutlich reduziert, 1–2 Umdrehungen Verzögerung Vorausschauend bremsen, vor Kurven trockenbremsen
Felgenbremse Carbon Etwas weniger als Alu Bremsweg vervielfacht, Quietschen, ggf. Hitzeprobleme Kritisch — bei Regen extrem vorsichtig fahren

Ein Labortest von bike-x.de mit drei aktuellen Top-Scheibenbrems-Gruppen (2024) zeigt zudem: Moderne hydraulische Disc-Systeme brauchen geringere Handkraft bei höherer Bremskraft — ein Faktor, der bei kalten, klammen Fingern im Regen den entscheidenden Unterschied machen kann. Carbon-Felgen mit Felgenbremsen hingegen reagieren bei Nässe besonders empfindlich. Die Bremsspur (das spezielle Profil auf der Carbon-Felge) braucht ein bis zwei Bremszüge, bis sie wieder trocken ist und Reibung erzeugt. Wer mit dieser Kombination unterwegs ist, sollte vor jeder Kurve und Kreuzung schon weit vorher antippen.

Die rechtliche Grundlage zur Bremsanlage am Fahrrad regelt § 65 StVZO: Fahrräder müssen mit zwei voneinander unabhängigen Bremsen ausgerüstet sein. Welches System das ist — Felge, Scheibe, mechanisch oder hydraulisch — überlässt die Verordnung dem Fahrradhersteller, solange beide funktionieren und unabhängig wirken.

Welcher Reifendruck bei Nässe — und welche Breite?

Der häufigste Fehler beim Rennrad bei Regen: zu hoher Reifendruck. Bei Trockenheit fährt sich ein 25-mm-Reifen mit 7,5 bar leicht und schnell. Bei Nässe steigt das Sturzrisiko in Kurven deutlich — die kleine, harte Aufstandsfläche verliert spürbar Grip.

Laut TOUR-Magazin-Ratgeber gilt: Bei Nässe etwa 0,5 bis 1 bar weniger einfüllen als bei Trockenheit. Die größere Aufstandsfläche erhöht den Grip spürbar, ohne dass der Rollwiderstand wesentlich steigt. Den auf der Reifenflanke aufgedruckten Mindestdruck dabei niemals unterschreiten — sonst drohen Felgenschäden bei Schlaglöchern.

Reifenbreite Druck trocken Druck Nässe Vorteil bei Regen
25 mm 6,5–8 bar 5,5–7 bar Schnell, aber wenig Reserven
28 mm 5,5–7 bar 5–6,5 bar Guter Kompromiss, mehr Sicherheit
32 mm 4,5–6 bar 4–5,5 bar Maximaler Komfort und Grip — Trend für Allwetter

Profil oder Slick? Auf Asphalt funktionieren glatte Slicks auch bei Nässe gut — anders als beim Auto findet keine relevante Wasserverdrängung statt, weil die Aufstandsfläche zu klein ist. Wichtiger als das Profil ist die Gummimischung: Reifen mit hohem Silica-Anteil bieten bei Nässe spürbar mehr Grip. Achte beim Kauf auf Begriffe wie „Wet Grip Compound“ oder „All-Weather-Mischung“ in den Produkt-Datenblättern.

Tubeless ist bei Regen ein klarer Sicherheitsgewinn. Die Dichtmilch verschließt kleine Durchstiche sofort, der niedrigere mögliche Druck (bis 4 bar bei 28 mm) gibt mehr Bodenkontakt. Schlauchreifen sind bei Pannen aufwendig zu wechseln — gerade im Regen kein Spaß.

Was sagt die StVZO zum Rennrad bei Regen?

Zwei Paragraphen sind relevant. § 65 StVZO verlangt zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen — wer mit defekter Felgen- oder Scheibenbremse unterwegs ist und kontrolliert wird, riskiert ein Verwarnungsgeld. § 67 StVZO regelt Beleuchtung und reflektierende Einrichtungen: Frontstrahler weiß, Rückstrahler rot, gelbe Pedalreflektoren und Speichenreflektoren oder reflektierende Reifen sind Pflicht.

Eine Sonderregelung erlaubt Rennrädern unter 11 kg Gewicht, ohne fest installierte Lichtanlage gefahren zu werden — abnehmbare Akku-Leuchten reichen aus. Diese Regelung wurde mit der StVZO-Novelle deutlich entschärft: Die Leuchten müssen nicht mehr ständig mitgeführt, sondern nur bei Dunkelheit oder schlechter Sicht aktiv sein. Bei Regen liegt die effektive Sichtweite ohnehin oft unter dem Tageswert — ein helles Tagfahrlicht lohnt sich auch ohne Pflicht. Die aktuellen Bußgelder bei Verstößen findest du im Bußgeldkatalog für Fahrradbeleuchtung.

Der ADFC empfiehlt zusätzlich reflektierende Westen oder Bänder bei Regen und Dämmerung — die Sichtbarkeit für Autofahrer:innen ist bei nasser Fahrbahn oft drastisch reduziert, gerade in der Übergangszeit.

Welche Bekleidung braucht das Rennrad bei Regen?

Die aerodynamische Sitzposition und das hohe Tempo (oft 25–35 km/h) machen Rennrad-Regenkleidung zu einer eigenen Kategorie. Eine klassische, weite Pendler-Regenjacke flattert bei dieser Geschwindigkeit, eine Standard-Regenhose passt nicht über aerodynamische Bib-Tights.

Kleidungsstück Was Rennrad braucht Worauf achten
Jacke Race-Fit-Schnitt, eng anliegend Verlängertes Rückenteil für Vorbeugehaltung, Stretch-Einsätze
Hose Wasserdichte Bib-Tights oder dünne Regenhose Naht-versiegelt, Knie- und Wadenbereich elastisch
Überschuhe Mit Aussparung für Klickpedal-Cleats Neopren oder Membran, knöchelhoch
Helm Helmüberzug aus Lycra/Membran Sitzt eng, lässt Belüftung teilweise offen
Handschuhe Langfingrig, wasserabweisend, dünn Brems- und Schaltgefühl muss erhalten bleiben
Brille Hydrophobe Beschichtung Klare oder gelbe Gläser bei Regen, keine dunkle Tönung

Wer regelmäßig bei Regen trainiert, sollte in eine Race-Fit-Jacke und Bib-Tights mit DWR-Imprägnierung investieren. Pendelnde Rennrad-Fahrer:innen, die das Rad zur Arbeit nutzen, können auch zur klassischen Regenhose greifen — der Komfort am Ziel ist meist wichtiger als die letzte Sekunde Aerodynamik.

Was machen Profis bei Regen?

Profis fahren grundsätzlich, weil Verträge es vorschreiben. Aber das UCI Extreme Weather Protocol erlaubt Rennen-Verkürzungen, Umleitungen oder Absagen bei extremen Bedingungen: Eisregen, Schnee auf der Fahrbahn, Sturm, sehr schlechte Sicht oder gefährliche Luftverschmutzung. Das ursprüngliche Protokoll wurde inzwischen mehrfach erweitert — zuletzt um ein Hitze-Protokoll, das auch in den heißen Sommern 2024 und 2025 mehrfach zur Anwendung kam.

2024 und 2025 wurden mehrere Etappen großer Rundfahrten wegen Wetter angepasst — von Hagel auf Bergankünften bis zu Hitze-induzierten Streckenkürzungen. Die Scheibenbremsen-Diskussion im Profi-Sport ist heute praktisch entschieden: Im Worldtour-Peloton fährt fast niemand mehr Felgenbremse — der Sicherheitsgewinn bei Nässe und in den Bergen war zu deutlich.

Was Profis im Training machen: Bei Eisregen und Sturm trainieren sie auf der Rolle. Bei normalem Regen fahren sie raus — mit Ersatz-Trikots im Begleitfahrzeug, Wechselbekleidung beim Boxenstopp und einer klaren Regel: Bei der ersten echten Eisstelle wird abgebrochen. Diese Logik gilt auch für Hobbyfahrer:innen.

Carbon-Rahmen und Wasser: Mythos oder Problem?

Ein hartnäckiger Mythos sagt, Carbon-Rahmen seien wasserempfindlich. Die Realität: Die Carbon-Fasern sind in Epoxidharz eingebettet und damit wasserdicht. Probleme entstehen nur dann, wenn das Laminat beschädigt ist und Wasser in den Rahmen eindringt — und selbst dann ist es meist erst kritisch, wenn das Wasser im Winter gefriert und den Rahmen sprengt.

Viele moderne Carbon-Rahmen haben kleine Ablauflöcher am Tretlager, durch die eingedrungenes Wasser ablaufen kann. Wer regelmäßig bei Regen fährt, sollte den Rahmen nach jeder Fahrt umdrehen und prüfen, ob Wasser austritt — falls ja, mehrere Stunden trocknen lassen, bevor das Rad wieder eingeräumt wird.

Wichtiger als der Rahmen sind Lager und Steuersatz. Innenlager und Steuersatz haben Dichtungen, die durch dauerhafte Nässe leiden. Nach einer Saison Regen-Pendeln lohnt eine Inspektion — oft reichen frische Dichtungen, manchmal müssen die Lager komplett getauscht werden.

Was ruiniert dein Rennrad bei Regenfahrten — und wie pflegst du es richtig?

Nach jeder Regenfahrt das gleiche Ritual: Rad an den Haken, lauwarmes Wasser, weiches Tuch, alles abnehmen, was abnehmbar ist. Kette schmieren, Felgen prüfen, Disc-Rotoren mit Isopropanol entfetten. Zehn Minuten. Es ist meditativ, ehrlich gesagt — und es ist der Unterschied zwischen einem Rad, das nach drei Saisons noch wie neu schaltet, und einem, bei dem die Lager im Herbst quietschen.

Wet-Lube statt Dry-Lube ist die wichtigste Anpassung. Trockenes Schmiermittel wird bei Regen sofort ausgewaschen, die Kette beginnt zu rosten. Wet-Lube haftet besser und schützt — der Nachteil ist mehr Schmutz an der Kette.

Die Routine nach jeder Regenfahrt:

  1. Rad mit Schwamm oder weichem Lappen abwischen — kein Hochdruckreiniger, der drückt Wasser in die Lager.
  2. Kette trocknen und tropfweise nachschmieren — pro Glied ein Tropfen Wet-Lube, Überschuss abwischen.
  3. Bremsscheiben prüfen — bei starker Verschmutzung mit speziellem Bremsenreiniger behandeln. Niemals Öl in die Nähe der Bremsen!
  4. Schaltung mit Druckluft oder Lappen säubern — Schmutz im Schaltwerk verursacht Schaltprobleme.
  5. Reifen auf Schnitte und kleine Steine prüfen — bei Tubeless die Dichtmilch mindestens alle drei Monate erneuern.
Praxis-Tipp Carbon-Felgen: Bei jeder Regenfahrt ein bis zwei Mal kurz „trockenbremsen“ — leicht beide Bremsen ziehen für ein bis zwei Sekunden, ohne anzuhalten. Das hält die Bremsspur trocken und reduziert die Verzögerung beim echten Bremsen vor Kurven.

Häufige Fehler — und wie du sie vermeidest

Aus Foren, Trainings-Communities und der Praxis kristallisieren sich dieselben Fehler immer wieder heraus:

  • Zu hoher Reifendruck: Wer den Trockenheits-Druck weiterfährt, verliert Grip in jeder Kurve. 0,5 bis 1 bar weniger ist Pflicht.
  • Spätes oder hartes Bremsen vor Kurven: Auf nasser Fahrbahn führt jede ruckartige Bewegung zum Wegrutschen. Vor der Kurve abbremsen, in der Kurve nur rollen.
  • Schienen quer überfahren: Straßenbahnschienen bei Nässe sind eine der häufigsten Sturzursachen. Immer in einem flachen Winkel queren, idealerweise senkrecht.
  • Bei Carbon-Felgen + Felgenbremsen kein Trockenbremsen: Wer ohne Vorwarnung bremst, riskiert einen vervielfachten Bremsweg.
  • Nach der Fahrt nichts machen: Salzwasser-Reste, Schmutz auf der Kette und ungetrocknete Lager kosten in einer Saison mehr als der Bremsbelag-Wechsel.
  • Falsches Schmiermittel: Dry-Lube bei Regen ist sinnlos — die Kette ist nach 10 km wieder trocken und beginnt zu rosten.

Wann ist es zu nass für Rennrad?

Es gibt keine harte Grenze, aber drei Situationen, in denen selbst trainierte Rennradfahrer:innen das Rad besser stehen lassen sollten:

  • Überfrierende Nässe (0 bis 3 °C): Schwarzeis ist visuell oft nicht erkennbar — Bremswege verlängern sich erheblich, Kurven werden riskant.
  • Sturm mit Windstärke 7+ (50+ km/h): Seitenwind kann eine schmale Rennrad-Silhouette aus der Spur drücken; herabfallende Äste sind real.
  • Akute Asthma-Symptome: Lungenfachleute raten Asthmatiker:innen ab -10 °C zur Pause bei hochintensivem Sport — bei Regen plus Kälte gilt das auch knapp darüber.

Profis dürfen bei normalem Regen nicht zuhause bleiben — du schon. Wer ein wertvolles Carbon-Rad und sich selbst schützen will, weicht bei den drei genannten Bedingungen aufs Indoor-Training oder ein robusteres Trainings-Bike aus.

Vom Rennrad zum Pendler-Rad: Wenn aus Training Alltag wird

Und dann gibt es den anderen Tag: Mittwoch, 8:14 Uhr, du musst um 9 im Büro sein, kein Carbon, kein Ritual, einfach trocken ankommen. Viele Rennrad-Enthusiast:innen kennen die Szene: Morgens Training, tagsüber Büro, abends wieder aufs Rad. Wenn der Alltagsweg dazu kommt — Kita-Run, Einkauf, Feierabendrunde mit Rucksack — stößt das Rennrad schnell an Grenzen. Nicht jede Strecke will geradelt werden wie ein Intervall, und nicht jeder Regenschauer rechtfertigt die volle Sportbekleidung.

Die pragmatische Lösung ist meist ein zweites Rad mit Alltags-Geometrie — Trekking oder Gravel fürs Pendeln, ein E-Bike für längere Arbeitswege oder ein Lastenrad für die Familie. Auf diesen Rädern funktioniert moderne Regenausrüstung deutlich besser, weil die Sitzposition aufrechter, die Geschwindigkeit moderater und Montagepunkte (Gepäckträger!) vorhanden sind. Laut ADFC-Fahrradklima-Test 2024 bewerten Alltagsradler:innen Komfort und Wetterschutz deutlich höher als Sport-Aspekte — für den Arbeitsweg zählen andere Prioritäten als fürs Training.

Vater mit zwei Kindern auf Long-John Cargobike in Berliner Altbaustraße im Herbst

Drei Situationen, in denen sich das Zweitrad lohnt

  • Tägliches Pendeln zur Arbeit: Ein Trekking- oder E-Bike mit Schutzblechen, Gepäckträger und fester Beleuchtung erspart Umziehen, Transport-Kompromisse und Wetter-Ausfälle.
  • Familie und Kinder: Lastenrad oder Longtail bringen Kinder, Einkauf und Hund entspannt von A nach B — bei Regen oder Sonne gleichermaßen.
  • Kurze Besorgungen: Das klassische Damen- oder Herrenrad mit Korb ist bei Regenschauern oft die entspannteste Wahl. Kein High-Tech, keine Einstellung — einfach losfahren.
Klassisches Damenrad an ockerfarbener Altbaufassade mit Tulpen und Baguette im Korb
💡 Praxis-Tipp: Wer sich ein Zweitrad zulegt, sollte dort bewusst auf Alltagstauglichkeit setzen: feste Schutzbleche, Nabendynamo, fester Gepäckträger und breitere Reifen (35–45 mm). Diese Specs machen bei Regen den entscheidenden Unterschied — ein Sport-Rad nachzurüsten ist meist umständlicher und teurer als ein passendes Pendel-Rad von Anfang an.

Für den Alltag am Pendel-Rad lohnt sich auch ein Blick auf den Beinbereich: Eine klassische Regenhose erspart nasse Hosenbeine am Ziel. Am Rennrad sind solche Lösungen wegen aggressiver Sitzposition und fehlender Gepäckträger meist unpraktikabel — am Pendel-Bike, Trekking-Rad, E-Bike bis 25 km/h oder Lastenrad sieht das anders aus.

Fazit: Rennrad bleibt Rennrad — der Alltag verdient ein eigenes Rad

Wer das Rennrad als Sport-Gerät begreift, fährt bei Regen mit der passenden Ausrüstung: hydraulische Scheibenbremsen, reduzierter Reifendruck, Race-Fit-Regenjacke, Bib-Tights, Überschuhe. Bei überfrierender Nässe, Sturm und Eis bleibt die Rolle die bessere Wahl. Die Pflege-Routine nach jeder Regenfahrt (Kette, Lager, Schaltung) entscheidet darüber, wie lange Bauteile halten — besonders bei Carbon-Rahmen und Laufrädern. Und wer den Alltagsweg dazu rechnet, gewinnt mit einem zweiten, alltagstauglichen Rad oft mehr als mit jedem Aero-Upgrade.

Das Wichtigste in 4 Punkten:

  • Bremsen: Hydraulische Scheibe bei Nässe klar überlegen (TOUR 2024, bike-x Labortest 2024) — Carbon-Felge mit Felgenbremse vor Kurven immer trockenbremsen.
  • Reifen: 0,5 bis 1 bar weniger Druck bei Nässe, Mindestdruck auf der Flanke beachten, breitere Reifen (28–32 mm) sind der Allwetter-Trend.
  • Recht: § 65 StVZO fordert zwei unabhängige Bremsen, § 67 StVZO regelt Beleuchtung — bei Regen ohnehin Tagfahrlicht empfohlen.
  • Alltag: Wer regelmäßig pendelt, fährt mit einem zweiten, alltagstauglichen Rad (Trekking, E-Bike, Lastenrad) bei Regen deutlich entspannter — und kann dort moderne Regenausrüstung voll ausnutzen.

Wie Regen sich tatsächlich übers Jahr verteilt, zeigt unsere Wetter-Daten-Analyse für Pendler:innen.

Häufig gestellte Fragen

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick

Sind Disc-Bremsen am Rennrad bei Regen wirklich besser?

Ja. Hydraulische Scheibenbremsen verlieren bei Nässe kaum Bremswirkung. Felgenbremsen müssen erst Wasser von der Felge wischen — laut TOUR-Magazin verzögert das die Bremswirkung um ein bis zwei volle Radumdrehungen. Besonders kritisch sind Carbon-Felgen mit Felgenbremsen, hier ist Trockenbremsen vor Kurven Pflicht.

Welcher Reifendruck bei Rennrad-Regenfahrten?

Etwa 0,5 bis 1 bar weniger als bei Trockenheit (TOUR-Ratgeber). Der Grip steigt durch die größere Aufstandsfläche spürbar. Den Mindest-Reifendruck (steht auf der Reifenflanke) niemals unterschreiten — sonst drohen Felgenschäden.

Sind Carbon-Rahmen wasserempfindlich?

Nein. Die Fasern sind in Epoxidharz eingebettet und wasserdicht. Probleme entstehen nur bei beschädigtem Laminat oder eingefrorenem Wasser im Rahmen. Viele Rahmen haben Ablauflöcher am Tretlager — nach Regenfahrten umdrehen und Wasser ablaufen lassen.

Welche Bekleidung brauche ich am Rennrad bei Regen?

Race-Fit-Regenjacke (eng, kein Flattern), wasserabweisende Bib-Tights oder dünne Regenhose, Überschuhe mit Klickpedal-Aussparung, Helmüberzug, langfingrige wasserabweisende Handschuhe und Brille mit hydrophober Beschichtung.

Welches Schmiermittel für die Kette bei Regen?

Wet-Lube statt Dry-Lube. Wet-Lube haftet besser und wird nicht ausgewaschen, zieht aber mehr Schmutz an. Bei jeder Regenfahrt nachschmieren: pro Kettenglied ein Tropfen, Überschuss abwischen.

Gehört Disc-Brake-Standard zu § 65 StVZO?

§ 65 StVZO schreibt zwei voneinander unabhängige Bremsen vor — welches System (Felge, Scheibe, mechanisch oder hydraulisch) der Hersteller wählt, ist offen. Bedeutet: Auch ein Felgenbremsen-Rennrad ist legal, solange beide Bremsen funktionieren. § 65 StVZO im Volltext.

Brauche ich Licht am Rennrad bei Regen?

Ja. Rennräder unter 11 kg dürfen ohne fest installierte Lichtanlage gefahren werden, abnehmbare Akku-Leuchten reichen. Bei Regen, Dämmerung oder Dunkelheit sind Lichter nach § 67 StVZO Pflicht. Auch tagsüber bei Regen sollte ein helles Tagfahrlicht eingeschaltet sein — die Sichtweite ist dann reduziert.

Pendelst du mit dem Trekkingrad? Beine trocken halten.

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Alle Angaben ohne Gewähr. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Fachberatung. Alle Bilder und Situationen in diesem Blog wurden durch KI künstlich erzeugt. Stand: April 2026.