Sonntagsroute Köln–Bonn: 35 km am Rhein, drei Stops
Der Rheinradweg Köln–Bonn ist 35 Kilometer lang, fast komplett flach und für Sonntags-Familienausflüge mit Kindern ab 8 Jahren ideal — bei Niesel kommen Beine mit cocape und Oberkörper mit Hardshell-Jacke trocken an. Sonntag, 9:42 Uhr, Rodenkirchen. Der Bäcker an der Hauptstraße hat noch die Klappe halb unten, aber die Croissants liegen schon im Korb. Ich klicke in die Pedale, biege links auf den Leinpfad, und der Rhein riecht nach Frühling — feucht, grün, nach gestrigem Regen. Die nächsten 35 Kilometer gehören mir. Wer eine entspannte Sonntags-Radtour von Köln nach Bonn sucht, fährt linksrheinisch — etwa 35 Kilometer, knapp zwei Stunden netto, drei klassische Stops. Am schönsten zwischen 9 und 10 Uhr morgens, wenn die Stadt noch leise ist und das Wasser dampft. Wer einen strukturierten Einstieg sucht: Unser 30-Tage-Pendler-Plan bringt dich Schritt für Schritt aufs Rad.
Belegte Datenquellen: Umweltbundesamt · Destatis (Pendlerstatistik) · ZIV-Marktdaten
Neu im Mehrtages-Format? Wenn du Bikepacking als Pendler:in entdeckst, hilft unser 5-Wochenenden-Einstiegs-Pillar — mit Niklas aus Freiburg, der von 30 km im Kaiserstuhl bis zum 210-km-Bodensee-Loop alles ehrlich dokumentiert.
Warum diese Route am Sonntag funktioniert
Die Strecke zwischen Köln und Bonn ist unter der Woche eine Pendlerader. Wer hier morgens um acht fährt, teilt sich den Leinpfad mit Lastenrädern, Anzügen auf E-Bikes und Lieferdiensten. Sonntags kippt das. Der Rhein gehört Spaziergängern, Joggern, ein paar Familien — und den Radfahrern, die wissen, dass dieser Korridor zwischen den beiden Domen eine eigene Stimmung entwickelt, sobald die Wochenendruhe einsetzt.
Bonn hat in den letzten Jahren spürbar in seine Radinfrastruktur investiert. Laut der Stadt Bonn wurden allein 2024 rund 40 neue Fahrradstraßen auf insgesamt 19 Kilometern Länge markiert; auf der Adenauerallee — der Verlängerung des Leinpfads ins Stadtzentrum — entsteht 2025 ein breiter Radstreifen mit klarer Trennung vom Autoverkehr. Köln zog im ADFC-Fahrradklima-Test 2024 einen Platz nach vorne (Platz 11 der Großstädte über 500.000 Einwohner), Bonn landete bei den Städten zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern auf Rang 5. Es ist nicht Kopenhagen. Aber es bewegt sich.
Der Sonntag macht den Unterschied. Wochentags merkst du den Pendelverkehr, das Hupen, die Eile. Sonntags hörst du die Schiffsschrauben der Frachter, das Schaben einer Feder am Ufer, irgendwo eine Kirchturmuhr. Genau deshalb erzählt diese Route an einem Sonntag eine andere Geschichte — und genau dafür lohnt es sich, früh aufzustehen.
Streckenführung: 35 Kilometer zwischen zwei Domen
Der offizielle Rheinradweg führt linksrheinisch, gut beschildert und größtenteils asphaltiert. Routenplaner listet in seiner Köln-Bonn-Collection Dutzende Varianten — die klassische Tagesstrecke kommt auf rund 35 Kilometer in eine Richtung und braucht netto knapp zwei Stunden, mit Pausen drei bis vier.
| Etappe | Kilometer | Charakter |
|---|---|---|
| Rheinpark Köln (Mülheimer Brücke) | 0 | Start. Skyline mit Hyatt und Dom verschwindet schnell hinter dir, sobald du den Leinpfad nimmst. |
| Rodenkirchen (Hauptstraße) | 6 | Erster natürlicher Stop. Maternusplatz, Bäckerei, ruhiges Frühstück. |
| Wesseling | 14 | Industrie-Kulisse trifft Felder. Schornsteine im Dunst, Pappel-Allee, Glockengeläut. |
| Bornheim/Hersel | 22 | Übergang ins Vorgebirge. Kurzer Schlenker zwischen Pferdekoppeln. |
| Bonner Bogen | 30 | Der Rhein wird breiter, das Siebengebirge taucht auf. |
| Bonn Alter Zoll | 35 | Endpunkt mit Aussichtsterrasse über den Rhein. |
Die Strecke ist flach, der Untergrund zu 90 Prozent asphaltiert, der Rest verdichteter Schotter. Steigungen gibt es keine, die der Rede wert wären. Was es gibt: Wind. Der weht im Rheintal oft kräftiger, als man auf der Karte vermutet — von Süden meist gegen, von Norden mit. Das ist der Grund, warum viele die Tour Bonn–Köln zurück bevorzugen, sobald sie nicht die Bahn nehmen.

Erster Stop: Frühstück in Rodenkirchen
Rodenkirchen liegt sechs Kilometer südlich der Innenstadt und ist der erste Punkt, an dem die Strecke kippt. Die Stadt wird leiser, die Häuser kleiner, die Gärten größer. An der Hauptstraße rund um den Maternusplatz reiht sich eine Bäckerei an die nächste, dazwischen kleine Cafés, eine Buchhandlung mit hohem Fenster, Sonnenschirme schon morgens aufgeklappt.

Ich stelle mein Citybike an einen der schiefen Fahrradständer vor der Bäckerei mit dem grünen Schaufenster — den Namen lasse ich weg, weil der nächste Sonntag eine andere Bäckerei zur richtigen machen kann. Ein Filterkaffee, ein Croissant, draußen ein Marmortisch mit Wasserringen vom Vortag. Die Sonntagszeitung liegt aus, neben mir blättert ein älterer Herr durch den Lokalteil und schüttelt mehrmals den Kopf. Ein Hund unter dem Nachbartisch atmet schwer.
Was ich an Rodenkirchen mag: Es ist groß genug, um eine echte Auswahl zu haben, und klein genug, dass um halb zehn noch nichts hektisch wird. Wer länger bleiben will, geht ein paar Schritte runter zum Rhein, setzt sich auf eine der Bänke direkt am Wasser und schaut Frachtern beim Vorbeiziehen zu. Die meisten machen das nicht. Die meisten fahren weiter. Beides ist richtig.
Der Mittelteil: zwischen Wesseling und Hersel
Hier wird die Tour ehrlich. Wer Postkarten erwartet, ist bei Wesseling kurz irritiert: Der Radweg führt am Industriegebiet vorbei, Schornsteine, Lagertanks, das leise Brummen einer Anlage. Es riecht manchmal nach erhitztem Metall. Romantisch ist das nicht. Aber es ist Teil der Geschichte des Rheins — der Fluss war nie nur Postkartenmotiv, er ist Arbeitsfluss, und das sieht man hier.
Zwei Kilometer weiter dreht das Bild komplett. Felder, Pappel-Alleen, der Rhein liegt links wie ein graues Band, rechts beginnen die ersten Spargelfelder des Vorgebirges. Bei Hersel führt der Weg eine kurze Strecke zwischen zwei Pferdekoppeln durch — manchmal stehen die Tiere direkt am Zaun, schnauben, schauen kurz auf, dann wieder weg. Es ist die Stelle, an der ich am häufigsten anhalte, ohne einen guten Grund zu haben.
Das Licht ist hier anders als in der Stadt. Der Himmel weiter, der Schatten länger. An Föhntagen — die das Rheinland öfter erlebt, als man denkt — siehst du das Siebengebirge plötzlich glasklar am Horizont, als wäre es zwanzig Kilometer näher gerückt. Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert für die Köln-Bonn-Region rund 800 Millimeter Niederschlag im Jahr und etwa 130 bis 140 Regentage — das klingt nach viel, ist aber im Vergleich zur Westküste wenig, und vor allem verteilt es sich gleichmäßig. Die meisten Sonntage sind nicht trocken, aber auch nicht durchgehend nass.
Bonn am Mittag: Alter Zoll, Hofgarten, Münsterplatz
Du kommst in Bonn von Norden, fährst die Adenauerallee hoch, und plötzlich liegt links die Aussichtsterrasse Alter Zoll. Die Stelle ist berühmt, aber nie überlaufen — drei Bänke, eine Mauer aus Sandstein, der Blick geht über den Rhein zum Siebengebirge. Hier endet die eigentliche Radtour. Drei Räder lehnen am Geländer, eine Frau isst ein Eis, jemand telefoniert auf Französisch.
Wer mag, schiebt jetzt. Vom Alten Zoll sind es zehn Minuten zu Fuß zum Münsterplatz, vorbei an der Universität, durch den Hofgarten — eine Wiese mit Pappeln, auf der sonntags Studenten Picknickdecken auslegen und Hunde Bälle hinterherjagen. Am Münsterplatz selbst stehen die üblichen Cafés, der Beethoven steht in der Mitte und schaut streng. Wer ihn länger anschaut, merkt: Er hat keine besonders gute Laune.
Ich nehme mir hier eine zweite Pause, eine Stunde mindestens. Ein zweiter Kaffee, vielleicht eine Suppe in einem der kleinen Lokale rund um die Marktgasse. Auf dem Rückweg laufe ich durch den Hofgarten zurück zum Rhein, schaue noch einmal Richtung Siebengebirge, und steige dann auf.

Rückweg oder Bahn? Eine ehrliche Antwort
Die zweite Hälfte der Tour ist die Frage, die jeder Köln-Bonn-Sonntagsfahrer kennt. 35 Kilometer zurück sind machbar, aber sie sind nicht mehr leicht. Die Beine sind drin, der Wind oft gegen, das Licht schräger. Wer den Tag genießen statt durchziehen will, hat eine ehrlichere Option: die Bahn.
Die Regionalbahn RB48 fährt vom Bonner Hauptbahnhof in rund 25 Minuten nach Köln Hbf, zwischen Bonn-Beuel und Köln gibt es zusätzlich die Mittelrheinbahn. Räder können in Regionalzügen des VRS in der Regel mitgenommen werden — außerhalb der Stoßzeiten ohne separates Ticket, sonst gegen Aufpreis. Konkrete Tarife wechseln, deshalb hier ohne Zahl: ein Blick auf die VRS-Webseite vor der Tour spart Diskussionen am Bahnsteig. Wer das Prinzip Rad und Bahn kombiniert regelmäßig nutzt, kennt das System ohnehin.
Was ich gelernt habe: An den meisten Sonntagen mache ich nur die Hinfahrt mit dem Rad und nehme die Bahn zurück. Nicht weil es zu anstrengend wäre. Sondern weil die Tour bergab ihre eigene Logik hat — sie ist eine Geschichte mit Anfang, Mitte, Ende. Bei der Rückfahrt wird daraus oft nur eine Pflicht.
Was die Saison ändert
Die Strecke verändert ihren Charakter mit dem Kalender, deutlicher als man denkt — wer aus dem Tagesausflug eine ganze Mehrtagesreise machen will, findet die Fortsetzung in unserer Drei-Tage-Reportage Speyer–Mainz im Oktober:
- März bis Mai: Frühling im Rheinland heißt Pappeln, die plötzlich grün werden, Spargelstände in Hersel, kühle Morgen. Beste Zeit für die Tour insgesamt.
- Juni bis August: Voller Leinpfad, viele Familien, deutlich wärmer. Lieber sehr früh starten — ab acht wird es eng auf den Asphaltabschnitten.
- September bis November: Mein persönlicher Favorit. Nebel über dem Rhein, Pappel-Laub, klare Föhntage mit Blick zum Siebengebirge. Wenig Verkehr.
- Dezember bis Februar: Möglich, aber kühler. Wind im Rheintal kann scharf werden. Die Strecke ist nicht geräumt, bei Glätte besser nicht.
Der Trick — und das gilt für alle Jahreszeiten — ist die Tageszeit. Wer um sieben Uhr am Rheinpark steht, hat eine andere Tour als jemand, der um elf losfährt. Die ersten zwei Stunden Sonntagmorgen sind das, was die Strecke besonders macht.
Was du dabeihaben solltest
Keine Liste mit Werbecharakter, sondern das, was bei mir nach mehreren Jahren auf der Strecke immer dabei ist: eine kleine Werkzeugtasche mit Mini-Pumpe und Reifenheber, ein Ersatzschlauch, eine Trinkflasche, ein leichtes Vorderlicht (auch tagsüber, weil die Sicht im Industriegebiet bei Dunst schnell schlechter wird), und eine wetterfeste Schicht, die sich klein faltet. Das war’s.
Die einzige spezifische Empfehlung: An den meisten Sonntagen ist das Wetter im Rheinland nicht stabil. Der Himmel kippt schnell, eine halbe Stunde Schauer ist keine Ausnahme. Wer lange Touren fährt, hat irgendwann das eine oder andere System gefunden, das funktioniert — eine Regenjacke, eine Hose, etwas darüber. Mein eigener Tipp: lieber eine Schicht zu viel im Rucksack als eine zu wenig. Eine leichte Regenjacke, die in jedes Trikot-Hinterfach passt, und ein Paar dünne Handschuhe nehmen kaum Platz weg — und entscheiden auf der Heimfahrt darüber, ob die letzten zehn Kilometer eine Erinnerung oder ein Frösteln werden.
Kurz und ehrlich
35 Kilometer linksrheinisch, drei Stops, Hinfahrt mit dem Rad, Rückfahrt mit der Bahn. Start zwischen 9 und 10 Uhr. Die Strecke ist nie spektakulär, aber sie ist verlässlich schön. Und sie zeigt, was zwischen zwei Städten eigentlich liegt — wenn man sich die Zeit nimmt, dazwischen zu halten.
Eine Übersicht aller Regenschutz-Lösungen findest du im kompletten Regenschutz-Fahrrad-Guide 2026.
Häufig gestellte Fragen
Antworten auf die typischen Sonntagsfragen — kurz, ehrlich, ohne Werbe-Sprech.
Wie lang ist die Strecke Köln–Bonn linksrheinisch genau?
Je nach Routenführung 33 bis 37 Kilometer in eine Richtung. Die klassische Variante über den Rheinpark, Rodenkirchen, Wesseling, Hersel und den Bonner Bogen liegt bei etwa 35 Kilometern. Routenplaner-Sammlungen zeigen Dutzende Varianten — kurz und direkt, oder mit Schlenker durch das Vorgebirge.
Kann ich mein Rad in der Bahn nach Köln zurücknehmen?
Ja. RB48 und Mittelrheinbahn nehmen Räder mit. Außerhalb der Stoßzeiten meist ohne separates Ticket, sonst gegen geringen Aufpreis. Tarife ändern sich — ein Blick auf die aktuelle VRS-Information vor der Tour erspart Diskussionen. Angaben ohne Gewähr.
Wann ist die Strecke am schönsten?
Subjektiv: September und Oktober, früh am Morgen, Nebel über dem Rhein, leerer Leinpfad. Objektiv: April bis Juni, weil die Bedingungen stabiler sind. Sommer ist möglich, aber der Leinpfad wird voll — dann hilft nur, früh zu starten.
Ist die Tour familientauglich?
Mit Kindern ab etwa zehn Jahren machbar, weil die Strecke flach und durchgehend asphaltiert ist. Für jüngere Kinder ist die volle Distanz zu lang — kürzere Etappen wie Köln bis Wesseling und mit der Bahn zurück sind eine ehrlichere Option. Familien finden auf der NRW-Tourismus-Seite gute Etappenvorschläge.
Was, wenn es zwischendurch tropft?
Im Rheinland ist Wetterstabilität die Ausnahme — auch sonntags. Eine leichte wasserfeste Schicht im Gepäck reicht für die meisten Schauer. Wer regelmäßig fährt, hat irgendwann eine Lösung gefunden, die ohne Umziehen funktioniert. Das macht den Unterschied zwischen „Ausflug“ und „abgebrochen“.
Wie ist die Radinfrastruktur in Köln und Bonn aktuell?
Beide Städte haben sich beim ADFC-Fahrradklima-Test 2024 leicht verbessert: Köln Platz 11 der Großstädte über 500.000 Einwohner, Bonn Platz 5 bei den Städten zwischen 200.000 und 500.000. Bonn hat 2024 rund 40 neue Fahrradstraßen markiert, 2025 wird die Adenauerallee zu einem getrennten Radstreifen umgebaut.
Alle Angaben ohne Gewähr. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Fachberatung. Alle Bilder und Situationen in diesem Blog wurden durch KI künstlich erzeugt. Tarife, Streckenführungen und Infrastruktur können sich ändern; vor der Tour bitte aktuelle Informationen bei VRS, ADFC NRW und den jeweiligen Städten prüfen.



