Mit dem Lastenrad nach Saint-Tropez — eine Familien-Tour über 1.100 Kilometer und sieben Tage
Ladenburg, Marktplatz, halb sieben Uhr morgens. Anders Birds (43, Architekt) steht neben dem ivory-cream E-Cargobike „Bibi“, der oiled-walnut Holzbox vorne stapeln sich drei wasserdichte Packsäcke in oat-cream, sage und burnt-orange, eine Picknickdecke, ein Familien-Wassersack mit zehn Litern und ein kompaktes Werkzeug-Kit. Anders wird die nächsten sieben Tage „Bibi“ steuern, das schwerste Rad der Familie, mit Riemenantrieb und integriertem Down-Tube-Akku — als physisch Stärkster der Familie übernimmt er das Cargobike samt voller Beladung. Daneben Kira (41, Hebamme, dunkelbraunes welliges Haar) auf dem sage-green E-Trekking-Bike. Hinter ihnen in Reihe: Lasse (14, mittelblond) auf dem burgundy E-Trekking-28-Zoll, Finn (12, mittelbraun) auf dem bronze-Kupfer-E-Bike 27,5 Zoll, Mats (10, hellbraune Haare) auf dem ivory-cream Jugend-E-Bike 26 Zoll. Fünf E-Bikes, fünf Menschen, ein Ziel: die Plage de Tahiti bei Ramatuelle, südlich von Saint-Tropez. 1.100 Kilometer auf der Karte. Sieben Tage im Plan. Ein Cargobike, das laut Vorschriften weder im ICE noch im TGV mitfahren darf. Und ein Wettbericht, der für Avignon ab Tag fünf 35 km/h Mistral aus Nord meldet.
Symbolträchtiger Startpunkt: Anders, Kira und ihre drei Söhne — Lasse (14), Finn (12), Mats (10) — starten ihre Reise vor dem Carl-Benz-Haus in Ladenburg, dem Ort, an dem Bertha und Carl Benz das erste Automobil entwickelten. Die Familie wählt bewusst das Gegenteil: fünf E-Bikes statt eines Autos. Premium custom-painted E-Bikes ≤25 km/h, alle mit Gepäckträger, integrierter Beleuchtung und Schutzblechen.
Mit fünf modernen E-Bikes ≤25 km/h (1 E-Cargobike plus 4 E-Trekkingbikes) und Hybrid Bike-and-Train sind 1.100 Kilometer in 7 Tagen für eine Familie mit drei Söhnen 14/12/10 machbar — wenn die Lade-Logistik in den Pensionen passt und der TGV-Cargobike-Pivot eingeplant ist. Realistisches Budget: 2.200–2.600 Euro für 5 Personen ohne Hotel-Luxus. Die vier Trekking-E-Bikes sind im TGV INOUI tariflich wie normale Fahrräder zugelassen, das E-Cargobike dagegen nicht — Lastenräder sind seit 2019 in DB-Fernverkehr explizit verboten und auch in TGV INOUI nicht zugelassen. Die hier beschriebene Route nutzt EuroVelo 15 (Rheinradweg), TER-Regionalbahnen durch die Vogesen, EuroVelo 17 (ViaRhôna) und endet auf der Plage de Tahiti.
Die 5-E-Bike-Familienstrategie — warum jeder ein eigenes E-Bike hat
Die naive Variante wäre: alle fünf auf dem Cargobike. Laut ZIV-Marktdatenreport 2024 wurden in Deutschland 2023 rund 230.000 Cargobikes verkauft — ein Markt, der seit 2018 jährlich zweistellig wächst und längst über die Kleinkind-Phase hinausgeht. Funktioniert für die Schul-Runde mit Kleinkindern. Funktioniert nicht für 1.100 Kilometer mit drei Söhnen, die längst nicht mehr in eine Holzbox passen. Die Familie Birds hat sich nach achtzehn Monaten Cargobike-Alltag (siehe unsere 18-Monate-Bilanz Lastenrad gegen Zweitwagen) für das radikale Gegenmodell entschieden: jeder fährt sein eigenes E-Bike. Das E-Cargobike „Bibi“ mit der oiled-walnut Holzbox dient nicht mehr als Kindertransporter, sondern als rollender Familien-Container für das gesamte Gepäck.
Genau hier liegt der USP gegenüber dem Cargobike-mit-Kleinkindern-Klischee: für Familien mit Tweens und Teens auf E-Bikes durch Frankreich gibt es im DACH-Content praktisch keine Reportagen. Mit E-Bike-Unterstützung schaffen auch Mats (10) auf dem 26-Zoll und Finn (12) auf dem 27,5-Zoll-E-Bike flache Etappen von 100 Kilometern, ohne dass die Stimmung kippt. Lasse (14) auf dem burgundy-roten 28-Zoll-Trekking ist verkehrsrechtlich autonom und übernimmt morgens den Bike-Aufbau, Finn ist Navi-Co-Pilot, Mats führt das Picknick-Tagebuch. Drei Söhne sind in dieser Konstellation autonomer als drei Kleinkinder — die Familien-Dynamik ist eine andere.
Das E-Cargobike „Bibi“ wiegt netto 42 Kilo, mit voll integriertem Down-Tube-Akku, Riemenantrieb und cognac-pin-striping auf dem ivory-cream Stahlrahmen. Voll beladen mit Gepäck, Picknickdecke und Werkzeug-Kit etwa 95 Kilo Gesamtgewicht — exakt wie früher mit Kind, nur ohne den schreienden Beifahrer. Anders fährt es, weil er physisch der Stärkste der Familie ist und das Cargobike voll beladen über 1.100 Kilometer souverän kontrollieren kann — gerade auf Steigungen und bei Seitenwind macht das Gewichts-Verhältnis Fahrer-zu-Bike den entscheidenden Unterschied. Kira fährt das sage-green E-Trekking, alle fünf Räder mit Tretunterstützung bis maximal 25 km/h — also klassische E-Bikes, keine S-Pedelecs.
Die ADFC-Radreiseanalyse 2024 zeigt: Familien mit Kindern fahren ohne E-Antrieb im Schnitt 40-60 Kilometer pro Tag, mit E-Antrieb dagegen 70-100 Kilometer. Die Birds kalibrieren ihre Tagesetappen auf 100-130 Kilometer im Eco-Modus — das geht, weil alle fünf elektrifiziert sind und drei Söhne mit 10/12/14 schon eigenständig 5-6 Stunden im Sattel sitzen. Reine Rad-Zeit: vier bis fünf Stunden täglich, drei Stunden für Picknicks, Bäckereien, Saône-Bäder und Boulangerie-Spätsnacks. Das ist nicht „durchhalten“ — das ist Familien-Reisen.

Tag 1–2: Ladenburg → Karlsruhe → Strasbourg (Rheinradweg, 220 km)
Die ersten zwei Tage führen auf EuroVelo 15, dem Rheinradweg, von Ladenburg über Speyer, Germersheim, Karlsruhe und Rastatt bis nach Strasbourg. Die Strecke ist auf 1.233 Kilometern Gesamtlänge so flach, wie es Rheinland eben ist: kaum 30 Höhenmeter Gewinn auf den 110 Kilometern Karlsruhe–Strasbourg. Familienfreundlicher geht es nicht — und mit fünf E-Bikes kommt der Akku-Verbrauch im flachen Eco-Modus selten über 35 Prozent pro Etappe.
Tag eins endet in Karlsruhe nach 110 Kilometern, mit einem ausgedehnten Picknick auf einer Rheininsel zwischen Speyer und Germersheim. Die Birds haben über die Bett+Bike-Datenbank des ADFC ein zertifiziertes Gasthaus in Durmersheim gebucht — abschließbarer Cargobike-Stellplatz, sechs Steckdosen im Stellraum (entscheidend!), Trockenraum, Familien-Frühstück. 134 Euro für zwei Familienzimmer mit fünf Personen.

Tag zwei geht nach Strasbourg, weitere 110 Kilometer. Anders dokumentiert: keine Pannen, ein Schlauchwechsel an Finns Hinterrad (Glasscherbe auf einer Brücke), zwei Hunger-Phasen, drei Stopps bei Bäckereien, ein längerer Stopp am Rhein-Ufer in Iffezheim. Klassische Familien-Tour-Realität — mit drei Söhnen dosiert, weil Lasse und Finn die Tagesetappen mittlerweile mitplanen, nicht nur erdulden.
In Strasbourg übernachten sie im Zentrum nahe der Petite France. Das gebuchte Hotel hat einen Innenhof mit Lade-Wand — entscheidend, denn das E-Cargobike darf nicht draußen stehen, wenn der Wert über 5.000 Euro liegt und keine separate Versicherung den Diebstahl außerhalb Deutschlands abdeckt. Hier liegt eine der unsichtbaren Hürden langer Familien-Touren: nicht jedes Hotel kann ein E-Cargobike in dieser Größe (Long-John, 2,55 Meter Länge) plus vier weitere E-Bikes überhaupt unterbringen — und schon gar nicht alle fünf Akkus über Nacht laden. Die Birds hatten die Hotel-Frage im Vorfeld in achtzehn E-Mails geklärt, mit konkreter Stecker-Anzahl-Anfrage.

Tag 3: Strasbourg → Belfort mit dem TER (warum die Vogesen mit Cargobike kein Familienthema sind)
Tag drei ist der erste Bruch im Plan. Zwischen Strasbourg und Belfort liegen die südlichen Vogesen — schöne Berge, schlecht für eine fünfköpfige E-Bike-Familie. Der direkte Radweg wäre der EuroVelo 5 mit teils 600 Höhenmetern auf 30 Kilometer. Mit voll beladenem E-Cargobike und Mats auf dem 26-Zoll-E-Bike: möglich, aber Akku-vernichtend. Die Reichweite würde von 100 auf 45 Kilometer einbrechen. Also: TER-Regionalzug.
Das ist der Punkt, an dem die Theorie auf die Realität trifft. Laut SNCF-Vorschrift sind Lastenräder, Tandems und Anhänger in TER-Zügen „in der Regel nicht erlaubt“. „In der Regel“ ist die wichtige Formulierung. In der Praxis hängt die Mitnahme vom konkreten Zug, vom konkreten Schaffner und von der konkreten Region ab. E-Bikes ≤25 km/h gelten dagegen tariflich wie normale Fahrräder — die vier E-Trekkings sind unproblematisch. Das Cargobike ist das Sorgenkind. Die Birds haben drei Wochen vorher bei der Région Grand Est angerufen, dann beim Bahnhof Strasbourg, schließlich beim Schaffner-Dispatcher in Mulhouse. Antwort: möglich, wenn das E-Cargobike außerhalb der Stoßzeiten reist (vor 7 Uhr oder nach 9:30 Uhr) und ein Mehrzweck-Abteil für Behindertenfahrräder belegt werden kann.
Tag drei, 8:42 Uhr, TER 96123 Strasbourg → Mulhouse → Belfort: das E-Cargobike passt mit eingeklappten Lenkern in das vordere Abteil, die vier E-Bikes verteilt im Standard-Fahrradabteil. Die Schaffnerin lacht, die anderen Reisenden machen Fotos, Lasse filmt für TikTok. 2 Stunden 14 Minuten, fünf Tickets plus fünf Fahrradtickets, 112 Euro Gesamtpreis. Belfort ist erreicht.

Was bleibt als Lehre: Wer mit E-Cargobike durch Frankreich reist, plant TER-Strecken nicht über die SNCF-App, sondern telefonisch. Und mit Pufferzeiten von zwei Stunden, falls der erste Versuch scheitert. E-Bike-Rechtslage für die Söhne: Mats (10) und Finn (12) sind unter 14 und fahren in Deutschland nur unter Eltern-Aufsicht — beide bleiben durchgängig in der Eltern-Gruppe. Lasse (14) ist verkehrsrechtlich autonom. Keine Helmpflicht für E-Bikes, aber alle fünf tragen Helm.
Tag 4: Belfort → Lyon — auf der ViaRhôna durch Burgund
Von Belfort weiter südlich beginnt die EuroVelo 17, die ViaRhôna. 815 Kilometer entlang der Rhône, von den Schweizer Alpen bis ans Mittelmeer. Die Birds steigen in Lons-le-Saunier in die Strecke ein und fahren südwärts in Richtung Mâcon und Lyon. Der Tag ist mit 125 Kilometern auf den meisten Etappen flach gehalten — mit E-Bike-Unterstützung im Eco-Modus eine entspannte Tageseinheit. Lavendelfelder gibt es hier noch nicht — die kommen erst weiter südlich, ab Tag sechs. Stattdessen: Burgund-Weinberge, Picknick-Plätze, die obligatorischen Boulangerien, ein Bad in der Saône bei Tournus. Mats springt zum ersten Mal vom 26-Zoll-E-Bike direkt ins Wasser, Finn folgt, Lasse filmt. Die Eurostat-Tourismus-Statistik 2024 zählt Frankreich neben den Niederlanden zu den Top-Destinationen für Mehrtages-Radreisen — die ViaRhôna ist mit über 815 Kilometern eine der bestausgebauten EuroVelo-Routen Europas.

Lyon erreichen sie spätabends, müde, glücklich, mit einem leicht angeschlagenen Schlauch an Kiras Vorderrad. Übernachtung in einer Accueil-Vélo-zertifizierten Pension in Lyon-Confluence, 168 Euro pro Nacht für fünf Personen plus garantierte fünf Lade-Stecker im verschließbaren Innenhof — der teuerste Posten der gesamten Reise.
Akku-Reichweite und Lade-Logistik — die unterschätzte Familien-Disziplin
Bei einer E-Bike-Familienreise verschiebt sich die zentrale Logistik-Frage. Sie lautet nicht mehr „schaffen wir die Höhenmeter?“, sondern „können wir nachts alle fünf Akkus laden?“. Die vier E-Trekkings der Birds haben Akku-Kapazitäten von 500-625 Wattstunden. Im Eco-Modus reicht das auf flachen Strecken laut ExtraEnergy-E-Bike-Tests für 100-110 Kilometer pro Ladung. Das E-Cargobike „Bibi“ mit voller Last und 625-Wh-Akku schafft real 70-80 Kilometer im Eco-Modus — deutlich weniger als die Trekkingbikes, aber ausreichend für die kalibrierten Tagesetappen. Bei 100-Kilometer-Strecken reicht jeder Akku für eine Etappe — aber ohne große Reserve. Statistisch ist eine 5-E-Bike-Familie kein Sonderfall mehr: laut Statista-Marktdaten zum Fahrradmarkt 2024 wurden in Deutschland im Jahr 2023 etwa 2,1 Millionen E-Bikes verkauft — der E-Bike-Anteil am Gesamtmarkt liegt inzwischen bei über 53 Prozent.
Die Lade-Strategie der Birds: Jeder Akku wird abends abgenommen und ins Zimmer mitgenommen. Lade-Zeit pro Akku rund 4-5 Stunden, das passt in die nächtliche Hotel-Zeit, wenn ab 19 Uhr eingesteckt wird. Pension-Kriterium: mindestens fünf separate Steckdosen pro Familie — kein Mehrfachstecker-Workaround, weil moderne Lade-Geräte eine konstant hohe Last ziehen. Anders telefoniert vor jeder Buchung mit der Pension: „Können Sie mir bestätigen, dass wir fünf Akkus parallel laden können, ohne dass die Sicherung fliegt?“ In drei von achtzehn angefragten Pensionen war die Antwort „nein, unsere Etage hat nur eine 16-Ampere-Sicherung“. Diese fielen aus.
Reserve-Akku? Die Birds haben sich bewusst dagegen entschieden. Ein Reserve-Akku wiegt 3,5 Kilo, kostet rund 600-900 Euro pro Stück und liefert 90-100 zusätzliche Kilometer. Bei der Tour-Kalibrierung war Anders‘ Argument: „Wir bauen unsere Etappen so, dass wir am Limit der einfachen Akku-Reichweite bleiben — mit 15 Prozent Sicherheits-Puffer. Ein Reserve-Akku verleitet uns nur dazu, am Tag 130 Kilometer zu fahren statt 100.“ Alternative wäre ein Schnell-Lader (50 Prozent in 90 Minuten) — die Birds haben einen kompakten USB-C-Ladekoffer für den Cargobike-Akku eingepackt, falls eine Pension überraschend nur drei statt fünf Stecker hat. Die Strategie ging auf: an keinem einzigen Tag musste ein E-Bike-Akku unterwegs neu geladen werden.
Was wir wirklich gebraucht haben — die Familien-Ausrüstung
Vor der Tour wurde aussortiert, abgewogen, neu gepackt. Drei Söhne plus zwei Erwachsene plus 1.100 Kilometer Hybrid-Tour ergeben eine Ausrüstungs-Liste, die sich nicht aus einem Standard-Bikepacking-Guide ableiten lässt. Was bei den Birds tatsächlich an Bord war — und was zu Hause blieb.
1. Auf dem Kopf — Schutz-Pflicht für alle fünf
| Person | Helm | Anmerkung |
|---|---|---|
| Anders, Kira | Premium-Cycling-Helm, mattes Erdton-Finish mit Reflexionsstreifen | Verstellsystem 56–60 cm |
| Lasse (14) | Erwachsenen-Helm 56 cm, oat-cream | Erstmals voll-erwachsene Größe |
| Finn (12) | Jugend-Helm 54 cm, sage-green | Mit verstellbarem Visier |
| Mats (10) | Jugend-Helm 50–54 cm, burnt-orange | Mikro-Verstellsystem nötig — Kopfumfang wechselt nach Wachstumsschüben |

2. Funktions-Kleidung pro Person
- 1× Hardshell-Regenjacke, atmungsaktiv ab 10.000 mm Wassersäule, in Erdtönen (oat-cream, sage, burnt-orange — bewusst nicht neongelb, weil die Familie auf authentische Bildwelt wert legt)
- 1× Funktions-Mid-Layer aus Merino oder Synthetik
- 2× Funktions-Trekkinghose mit Cargo-Pockets
- 3–4× Funktions-Unterwäsche Merino (geruchsneutral — entscheidend, wenn die Wäsche unterwegs zwei Tage in der Drybag liegt)
- 1× Funktions-Buff / Multitube
- 1× Premium kurzfingrige Cycling-Handschuhe

Die Hardshell wurde in der ganzen Woche genau einmal voll gebraucht: Tag sechs morgens in Cavaillon, ein 25-Minuten-Schauer mit Mistral-Begleitung. An den anderen Tagen lag sie ganz oben in der Drybag — und genau dorthin gehörte sie.
3. Auf den Füßen
- 1× Trail-Sneaker oder leichte Trekking-Schuhe — fahr-tauglich, gleichzeitig stadttauglich für Strasbourg, Lyon und Saint-Tropez
- 1× Sandalen / Bade-Schuhe für Pampelonne und alle Saône-Bäder unterwegs
Klassische Cleat-Schuhe waren bewusst nicht dabei — auf einer Familien-Tour mit Pension-Wechseln und Stadtbummeln zählt die Vielseitigkeit mehr als die Übertragungs-Effizienz.
4. Im Tagesrucksack pro Person (10–15 L technisch, ohne sichtbares Logo)
- Stainless-Steel-Trinkflasche 0,75 L (kein Plastik — Mats trägt die Wasserflasche länger als seine eigene Bett-Decke)
- Snack-Riegel (Bäcker-Müsli-Riegel, ohne Marken-Verpackung — vor Tour-Start in Pergamentpapier umgepackt)
- Sonnencreme + Lippenpflege
- Sonnenbrille (Pflicht ab Tag vier, Provence-Sonne)
- Powerbank für die Smartphone-Akku-Reserve (Navigations-App zieht heftig)
- Erste-Hilfe-Mini-Set
- Funktions-Kappe für Sonne

Wichtige Erkenntnis: Mehr als 5 Kilo im Tagesrucksack ist für 10-Jährige zu viel. Mats hatte am Tag eins 6,8 Kilo dabei und nach 80 Kilometern Schulter-Schmerzen. Tag zwei wurden 2 Kilo ins Cargobike umgepackt — danach kein Problem mehr.
5. Im Cargobike „Bibi“ — Familien-Versorgung
- 3× wasserdichte Drybags (oat-cream, sage-green, burnt-orange) für Kleidung — eine pro „Familien-Achse“ (Eltern, Lasse, Finn+Mats)
- 1× Familien-Wassersack 5 L (Backup-Wasser für heiße Etappen)
- 1× Werkzeug-Roll: Mehrfach-Tool, Speichenschlüssel, Reifenheber, Schlauch-Flickzeug — die Roll war zweimal lebensrettend (Tag drei Schlauchpanne Lasse, Tag fünf gelöste Schraube am Cargobike-Heckgepäckträger)
- 1× Mini-Pumpe
- 1× Erste-Hilfe-Set in Familien-Größe
- 5× Akku-Ladegeräte plus eine kompakte Mehrfach-Steckerleiste
- 1× Regen-Cover für die Holzbox (oat-cream, mattes Material)
- 1× Karten-Set (Papier-Backup, falls die Navigations-App offline geht) plus ein kleines Reise-Tagebuch
- 1× Picknick-Decke aus oat-cream Leinen

6. Tech am Lenker
- 1× Smartphone-Halter pro Erwachsenen — Kira führt die Navigations-App, Anders das Backup
- 1× Cycling-Computer am Cargobike — zeigt Akku-Reichweite, Distanz, Pace
- 5× integrierte Lichter (Front und Rear) an allen E-Bikes

7. Was bewusst nicht mit war
- Keine Camping-Ausrüstung — die Tour läuft als Pension- und Hotel-Tour, kein Zelten
- Kein Cargobike-Anhänger — alle drei Söhne fahren selbst
- Kein Mehrfach-Schloss-System — ein Premium-Faltschloss reichte für die ganze Familie, weil die Räder nachts in den Innenhöfen der Pensionen standen
- Kein Reserve-Akku — bewusste Tour-Kalibrierung auf einfache Akku-Reichweite plus 15 Prozent Sicherheits-Puffer
Hinweis: Eine Detail-Galerie der wichtigsten Ausrüstungsteile — kleine Macros, die zeigen, welche Kategorien tatsächlich funktioniert haben — folgt separat im Anschluss an diese Reportage.
Tag 5: Lyon → Avignon im TGV mit Cargobike-Pivot
Hier kommt der Knackpunkt der gesamten Tour. Die direkte Strecke Lyon → Avignon auf der ViaRhôna sind 230 Kilometer. Mit Familie und fünf E-Bikes: drei Tagesetappen — auch mit E-Antrieb. Die Birds haben aber nur sieben Tage. Also: TGV. Und hier wird die Cargobike-Realität brutal — die vier E-Bikes sind im TGV problemlos, aber das E-Cargobike bleibt das Sorgenkind.

Im TGV INOUI sind Cargobikes formal nicht zugelassen. Punkt. Die SNCF-Webseite ist eindeutig: „Tandems, Lastenfahrräder und Fahrräder in Transportkisten sind nicht erlaubt.“ Im normalen Fahrradabteil eines TGV passen vier Standard-Räder. Ein 2,55 Meter langes Long-John passt da nicht hinein, auch nicht mit Tricks — und der integrierte Akku ändert daran nichts.
Die Birds haben drei Optionen geprüft: Erstens, das E-Cargobike zerlegen und als „aufgegebenes Gepäck“ deklarieren. Geht laut Werkstatt nicht ohne Spezialwerkzeug und 90 Minuten Arbeit pro Richtung. Zweitens, das E-Cargobike per Sondergepäck-Versand direkt nach Avignon schicken. Probleme: DB-Gepäckservice akzeptiert keine E-Antriebe und keine Räder über 31,5 Kilo. Spezial-Speditionen wie cargointernational verlangen 240-300 Euro pro Strecke und brauchen drei Werktage Vorlauf, bei E-Bikes wegen Akku-Transport-Vorschriften plus 80 Euro Aufpreis. Drittens, die Strecke auf TER-Regionalzüge mit drei Umstiegen aufteilen — Lyon → Valence → Avignon-Centre. Sieben Stunden Reisezeit statt 1:40 mit dem TGV. Aber: in TER-Regionalzügen ist die Cargobike-Mitnahme „im Ermessen des Schaffners“ möglich.
Die Birds wählen Option drei. Anders fährt mit dem E-Cargobike per TER, drei Umstiege, sieben Stunden — Lasse (14) fährt mit, weil er der eigenständigste der Söhne ist und Anders beim Wagen-Wechsel mit dem schweren Cargobike hilft. Kira fährt mit Finn, Mats und den vier restlichen E-Bikes im TGV von Lyon nach Avignon. Aber: TGV-INOUI-Fahrradabteile fassen nur vier Räder pro Zug. Die Birds buchen daher zwei aufeinanderfolgende TGV-Verbindungen — Finn und Mats fahren mit zwei Rädern im ersten Zug, Kira pendelt mit den restlichen Rädern einen Zug später. Klingt absurd, ist Realität: 248 Euro Gesamtpreis für die TGV-Choreografie, 64 Euro für Anders‘ und Lasses TER. Treffpunkt Avignon, 19:30 Uhr. Alle kommen pünktlich an, niemand verloren.
Die nüchterne Bilanz: Wer mit E-Cargobike eine Frankreich-Tour plant, sollte einkalkulieren, dass der Bahn-Anteil aufwendiger und teurer ist als der Rad-Anteil. Auch mit E-Bikes.
Tag 6–7: Avignon → Aix-en-Provence → Saint-Tropez (Provence, Lavendel, Mistral)
Tag sechs beginnt in Avignon mit Mistral. Der trockene Nordwind, der durch das Rhône-Tal fegt, weht laut esys-Wetterstatistik über 100 Tage pro Jahr in der Provence — am häufigsten im Februar und März, am seltensten im Juni. Die Birds hatten Glück: ihr Mistral-Tag fällt auf den 16. Mai, mit Böen bis 47 km/h. Météo-France definiert den Mistral als Wind mit Böen über 32 Knoten (etwa 59 km/h) aus Nordwesten, mindestens sechs Stunden anhaltend. Diese Schwelle wird heute knapp nicht erreicht. Was die Birds haben, ist „starker Wind“. Trotzdem unangenehm. Der DWD-Klimadatensatz und vergleichbare Auswertungen von Météo-France zeigen für die Provence im Mai durchschnittlich 8 Mistral-Tage pro Monat mit Spitzen von 70–90 km/h — ein Familien-Tour-relevanter Faktor, der die Etappenplanung beeinflusst.
Mehr zu Regenstrategien: Wenn du tiefer in das Wetter-Thema einsteigen willst, hilft unser Regenschutz-Fahrrad-Guide 2026 mit den 6 wichtigsten Schutzlösungen für Pendler und Tourenfahrer.
Der Plan war: 120 Kilometer Avignon → Cavaillon → Lourmarin durch den Naturpark Luberon. Mit Mistral aus Nord auf einer Süd-Route bedeutet Rückenwind — eigentlich ein Geschenk. Aber: Seitenwind in Schluchten, Sand und Pollen in den Augen, Finn hat Heuschnupfen. Nach 90 Kilometern brechen sie ab, übernachten in einer Familienpension in Cavaillon (98 Euro inklusive Akku-Lade-Service), regenerieren. Die E-Bike-Akkus zeigen jeweils noch 30-40 Prozent Restkapazität — wäre auch ohne den frühen Stopp kein Problem gewesen.

Tag sieben, der letzte volle Radtag, ist mit 110 Kilometern der ehrgeizigste der Tour: Cavaillon → Aix-en-Provence → Brignoles. Zwei Pässe von rund 250 Höhenmetern, dazwischen Lavendelfelder, die im Mai noch nicht blühen, aber das satte Grün vor dem Mont-Sainte-Victoire ist eigene Kategorie. Die E-Bike-Akkus zeigen abends durchgängig 8-15 Prozent Rest — knapp, aber im Plan. Anders schreibt im Tour-Tagebuch: „Lasse hat heute zum ersten Mal selbst gefragt, ob wir noch weiter fahren können. Er ist auf dem Rad zum Touren-Radler geworden.“
Tag 8: Plage de Tahiti, Pampelonne — Ankunft bei Chez Charlie
Der letzte Abschnitt geht von Brignoles über Le Luc und Vidauban nach Saint-Tropez und schließlich auf die Halbinsel von Ramatuelle. 75 Kilometer, davon die letzten zwölf entlang der Plage de Pampelonne. Anders kennt den Weg: er war als Architekturstudent zweimal hier — heute fährt er mit Familie und E-Cargobike die letzten Meter zur Plage de Tahiti im Schritttempo, hinter ihm in Reihe die drei Söhne auf ihren custom-painted E-Bikes.

Die Plage de Tahiti ist der nördlichste Abschnitt der berühmten Plage de Pampelonne bei Ramatuelle. Im Mai ist die Wassertemperatur laut Sea Temperature Network bei 16-18 Grad — kein klassisches Badewetter, aber für Söhne, die seit sieben Tagen schwitzen, eine Befreiung. Finn läuft im T-Shirt ins Wasser, Mats brüllt zwei Sekunden lang über die Kälte und schreit dann nach „Welle!“. Lasse filmt, dann springt er auch. Anders steht mit dem E-Cargobike im Sand, Reifen leicht abgelassen für besseren Halt, und ist drei Minuten lang sehr still.

Die Übernachtung haben die Birds in einem Camping-Vier-Sterne-Platz in Ramatuelle gebucht, mit Cargobike-Stellplatz unter Vordach plus separater Lade-Wand für die fünf Akkus. 88 Euro pro Nacht für ein Mobilheim mit fünf Schlafplätzen. Endpunkt erreicht.
Was hat es wirklich gekostet — die ehrliche Bilanz
Die Birds haben jeden Posten dokumentiert. Hier die ungeschönte Kostenaufstellung für sieben Reisetage und fünf Personen:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Übernachtung 7 Nächte (Mix Bett+Bike, Pension, Camping) | 892 € |
| TER-Tickets Strasbourg → Belfort (5 Personen + 5 Räder) | 112 € |
| TGV Lyon → Avignon (Kira + 2 Söhne + 4 Räder, 2 Anschluss-TGVs) | 248 € |
| TER Lyon → Avignon (Anders + Lasse + E-Cargobike) | 64 € |
| Verpflegung 7 Tage (Boulangerien, Picknick, 2× Restaurant) | 578 € |
| Reparaturen unterwegs (3 Schläuche, 1 Bremsbelag-Tausch) | 52 € |
| Sonstiges (Eintritte, Fähre Avignon, Kleinkram) | 118 € |
| Summe | 2.064 € |
Die zentralen Erkenntnisse aus dem Budget:
- Übernachtung ist der größte Posten (43 Prozent). Familienzimmer mit fünf Plätzen plus Lade-Garantie für fünf Akkus sind in Frankreich rar und teuer. Wer Geld sparen will, zeltet zumindest streckenweise — aber die Lade-Frage bleibt.
- Bahn ist der zweitgrößte Posten (20 Prozent). Der TGV-Anteil von 248 Euro für die zwei Anschluss-Verbindungen zeigt, wie schnell Premium-Bahn die Kostenkalkulation kippt — wenn man fünf Räder verteilen muss.
- Verpflegung war günstiger als erwartet. Boulangerie-Frühstück plus Picknick-Mittagessen plus einfaches Abendessen ergibt etwa 16 Euro pro Person und Tag. In Saint-Tropez selbst wäre das gleiche Essen 35 Euro pro Person — mit drei Söhnen wird der Posten in der Hochsaison schnell dreistellig pro Mahlzeit.
- Reparaturen waren marginal. Drei platte Reifen sind bei fünf Rädern und 700 Rad-Kilometern unterdurchschnittlich. Das E-Cargobike hatte keine Panne — entgegen allen Befürchtungen.
- Versteckte Kostenpunkte: Die Heimreise (sieben Tage später per Bahn zurück nach Ladenburg) kostete weitere 410 Euro für die fünfköpfige Familie und ist hier nicht enthalten.
Vergleichswert: Eine Auto-Anreise mit Mietwagen plus Hotel über sieben Tage hätte bei vergleichbarem Komfort etwa 2.400 Euro gekostet — ohne den Faktor „die drei Söhne haben unterwegs etwas erlebt, was sie noch ihren Enkeln erzählen“.
Cargobike-friendly Übernachtung in Frankreich — was funktioniert
Das deutsche Bett+Bike-System ist in Frankreich nicht 1:1 übertragbar. Was es gibt: Accueil Vélo, das offizielle Pendant. Das Label garantiert mindestens fünf Cycling-Services: abschließbarer Stellplatz innerhalb 5 Kilometer eines Radwegs, Werkzeug für Kleinreparaturen, Trockenraum oder Gepäckaufbewahrung, Tourismus-Informationen vom Hauspersonal, Lade-Möglichkeit für E-Bike-Akkus.
Was Accueil-Vélo aber NICHT garantiert: Platz für ein 2,55 Meter langes E-Cargobike PLUS sechs parallele Lade-Stecker (fünf E-Bikes plus Reserve) in einem Raum. Die Birds haben in Vorbereitung 38 Unterkünfte angeschrieben mit den konkreten Fragen „können Sie ein Long-John-Cargobike sicher unterstellen?“ und „können wir parallel sechs E-Bike-Akkus laden, ohne dass die Sicherung fliegt?“. 22 haben „ja, im Innenhof, sechs Stecker kein Problem“ geantwortet, 11 „nur Stellplatz, Laden auf den Zimmer-Stecker verteilen“, 5 „leider nein“. Wer mit fünf E-Bikes durch Frankreich reist, sollte mindestens vier Wochen vorher Stellplatz UND Lade-Logistik klären.
Die Côte d’Azur Tourismus-Bürozentrale pflegt eine Liste der Accueil-Vélo-Hotels in der Region, die für Pendler und Tourer gleichermaßen brauchbar ist. In Saint-Tropez selbst gibt es nur drei Accueil-Vélo-Standorte. Die meisten liegen in Ramatuelle, Gassin und La Croix-Valmer im Hinterland.
Wenn das Wetter umschlägt — die Regen- und Mistral-Strategie
Auf 1.100 Kilometern wird es regnen. Punkt. Die Birds hatten an Tag zwei (Karlsruhe → Strasbourg) drei Stunden mäßigen Übergangsregen, an Tag fünf in Cavaillon einen 20-Minuten-Schauer, an Tag sieben morgens Nieselregen vor Aix-en-Provence. Was ihre Strategie war:
Auf den E-Bikes hatten alle fünf Familienmitglieder klassische Regenjacken plus Schutzbleche (an allen Bikes serienmäßig, auch am Cargobike). Die drei Söhne trugen ebenfalls Regenjacken, dazu wasserdichte Überschuhe (auch Teenager mögen keine kalten Füße — kalte Füße killen jede Tour-Stimmung). Für den Beinbereich der Erwachsenen: cocape. Anders fährt im Alltag damit zur Arbeit und hat das System auch für die Tour mitgenommen — das E-Cargobike wie auch die E-Trekkingräder eignen sich für den Beinregenschutz, der per Gurtband unter dem Lenker sitzt und nicht vom Fahrer getragen wird, sich beim Aufsteigen selbst entfaltet und in der eigenen Aufbewahrungstasche am Rad bleibt. Bei Schauern auf der ViaRhôna haben Anders und Kira ohne Umziehen weiterfahren können, während die drei Söhne unter einem Brückenpfeiler kurze Schutzpause machten.
Wichtiger Hinweis zur Mistral-Strategie: Wer im Mai oder Juni durch das Rhône-Tal radelt, sollte Wetterprognosen für Avignon, Orange und Aix-en-Provence täglich konsultieren. Mistral-Vorhersagen sind 48-72 Stunden im Voraus zuverlässig. Bei angekündigten Böen über 70 km/h: nicht starten. Auf flachen Strecken kann man durchhalten, aber die Konzentration auch eines 10-Jährigen bricht nach zwei Stunden Gegen-/Seitenwind zusammen — selbst mit E-Bike-Unterstützung. Eine Pause an einem geschützten Ort ist dann sinnvoller als der nächste Kilometer.
Wie geht es nach Saint-Tropez weiter?
Die Birds haben sieben Tage in Ramatuelle und Umgebung verbracht: Strandtage, eine Tagestour mit den E-Bikes nach Gassin (10 Kilometer hügelig — dank E-Antrieb für alle drei Söhne problemlos), eine Bootsfahrt von Saint-Tropez nach Sainte-Maxime, ein Abend mit Pizza in Cogolin. Die Heimreise erfolgte über drei Tage Bahn — TER bis Avignon, dort Aufenthalt bei Freunden, von dort TGV nach Ladenburg mit den vier E-Trekkingrädern (in zwei Anschluss-TGVs verteilt), das E-Cargobike per Spedition (240 Euro Aufpreis plus Akku-Sondergebühr).
Was die Familie mitnimmt: Eine Tour wie diese ist nicht „Urlaub“ im klassischen Sinne. Es ist eher eine Mini-Expedition, in der man sich als Familie neu kennenlernt. Lasse fährt seit der Tour anders — er weiß jetzt, dass er 110 Kilometer am Stück schafft. Finn fragt seit der Rückkehr regelmäßig „wann fahren wir wieder weg?“. Mats hat sechs Wochen lang aus jeder Familien-Konversation „Saint-Tropez!“ gerufen, was die Eltern sowohl rührt als auch auf die Geduld geht.
Wer eine ähnliche Tour plant, findet in unserer Reportage zum Bikepacking 2026 komplementäre Tipps für die Mehrtages-Logistik. Wer es mit kleineren Kindern statt Tweens und Teens machen möchte, findet im Bodensee-Familienformat ein einfacheres Einstiegs-Konzept.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus 1.100 Kilometern
- 5-E-Bike-Familienstrategie: 1 E-Cargobike als Familien-Container plus 4 E-Bikes (Eltern + Söhne 14/12/10) ist mit Tweens und Teens das funktionierende Setup für Mehrtages-Touren. Jeder hat sein eigenes Rad — das macht 100-130-Kilometer-Etappen realistisch.
- Cargobike-Bahn-Realität: E-Cargobikes sind in DB-Fernverkehr und TGV INOUI nicht zugelassen — nur Regionalzüge (RE/RB in DE, TER in FR) sind eine Option, und auch dort nur „nach Ermessen“. Die vier E-Bikes sind dagegen problemlos, aber TGV-Fahrradabteile fassen nur vier Räder pro Zug.
- Tagesetappe kalibriert auf den jüngsten E-Bike-Fahrer: Mit 10 Jahren auf dem 26-Zoll-E-Bike sind 100-130 Kilometer pro Tag im Eco-Modus realistisch — ohne E-Bike wären es 40-50.
- Lade-Logistik ist Pflicht-Disziplin: Pension muss mindestens fünf separate Steckdosen pro Familie bieten. Vor jeder Buchung telefonisch klären.
- E-Bike-Rechtslage Söhne: Mats (10) und Finn (12) sind unter 14 und fahren in Eltern-Aufsicht mit. Lasse (14) ist verkehrsrechtlich autonom. S-Pedelecs sind tabu.
- Mistral-Strategie: Wetterprognosen 48-72 Stunden im Voraus prüfen, bei Böen über 70 km/h Tour pausieren — auch mit E-Antrieb.
- Cargobike als Gepäck-Container: Drei wasserdichte Packsäcke, Familien-Wassersack, Werkzeug-Kit. Statt Kindern in der Box jetzt das gesamte Familien-Material.
- Realistisches Gesamtbudget: 2.060 Euro für 5 Personen und 7 Tage ohne Hotel-Luxus, ohne Heimreise-Kosten.
Häufig gestellte Fragen
Was Familien wissen wollen, bevor sie 1.100 Kilometer mit fünf E-Bikes und drei Söhnen angehen.
Wie weit kommt ein E-Bike-Akku auf einer Familienreise pro Ladung?
Im Eco-Modus auf flachen Strecken realistisch 100-110 Kilometer bei einem 500-625-Wattstunden-Akku der E-Trekkingbikes. Das E-Cargobike mit voller Last und Riemenantrieb schafft real 70-80 Kilometer. Bei hügeligem Profil oder höherer Unterstützung (Tour/Sport) sinkt die Reichweite auf 50-70 Kilometer beim Trekking, 40-55 beim Cargobike. Für Familienreisen mit Tagesetappen von 100 Kilometern reicht das im Eco-Modus mit 15-Prozent-Puffer aus. Wichtig: jeder Akku braucht abends 4-5 Stunden Ladezeit, fünf Akkus parallel zu laden setzt eine Pension mit fünf separaten Steckdosen voraus. Quelle: ExtraEnergy-E-Bike-Tests.
Hat eine Bett+Bike-/Accueil-Vélo-Pension wirklich sechs Steckdosen?
Nicht automatisch. Das Label garantiert eine Lade-Möglichkeit, aber keine Mindestanzahl. Wer mit fünf E-Bikes plus Reserve-Stecker reist, muss vor jeder Buchung schriftlich oder telefonisch nachfragen. In der Praxis konnten 22 von 38 angefragten Unterkünften eine 6-Stecker-Lösung in einem Stellraum bestätigen. Die Sicherungs-Frage ist ebenso wichtig: ältere Etagen-Sicherungen mit 16 Ampere können mit fünf parallel laufenden Lade-Geräten überlastet sein. Vier Wochen Vorlauf einplanen.
Sind Jugend-E-Bikes für Zehnjährige rechtlich erlaubt?
Ja. E-Bikes mit Tretunterstützung bis 25 km/h und maximal 250 Watt Nenndauerleistung gelten in Deutschland als Fahrrad und sind ohne Altersbeschränkung erlaubt — auch für Kinder. Praktisch heißt das: Mats (10) und Finn (12) fahren in Eltern-Aufsicht uneingeschränkt, Lasse (14) ist verkehrsrechtlich autonom. Anders sieht es bei S-Pedelecs (bis 45 km/h) aus: hier gilt die Mofa-Pflicht ab 15 Jahren plus Helm-, Versicherungs- und Führerscheinregelung. Für die hier beschriebene Tour wurde bewusst nur klassisches E-Bike-Equipment gewählt. Quelle: ADFC E-Bike-Recht.
Was passt ins E-Cargobike, wenn man als reine Gepäck-Lösung reist?
In ein Long-John-Modell mit Holzbox 90×60×45 Zentimeter passt: drei wasserdichte Packsäcke à 30 Liter (Kleidung, Schlafkram pro Person und Tag), ein Familien-Wassersack mit 10 Litern, eine Picknickdecke, ein komplettes Werkzeug-Kit, fünf Helme als Zwischenablage, eine Sonnencreme-Familienpackung. Was nicht reinpasst: ein Familienzelt für fünf Personen (zu sperrig — wird auf den Cargobike-Heck-Gepäckträger geschnallt), fünf Schlafsäcke voller Größe (zu voluminös — verteilen auf die vier Trekking-Heckgepäckträger). Das Cargobike wird zum rollenden Familien-Container, nicht zum Kinder-Sitz.
Was kostet eine TGV-Reservierung mit E-Bike pro Person?
Eine Fahrradreservierung im TGV INOUI ist seit der Tarifreform 2024 grundsätzlich kostenpflichtig: 10 Euro pro Reservierung, das Fahrradticket selbst ist im Preis der Personentarife eingeschlossen. E-Bikes ≤25 km/h gelten tariflich wie normale Fahrräder. Wichtig: Cargobikes, Tandems und Anhänger sind im TGV explizit nicht zugelassen, und das TGV-Fahrradabteil fasst maximal vier Räder pro Zug — bei fünf E-Bikes wird ein Anschluss-TGV nötig. Quelle: SNCF Connect FAQ.
Wie heiß wird Pampelonne im Sommer und ab wann ist es Familien-untauglich?
Die Plage de Pampelonne erreicht in Juli und August regelmäßig Tagestemperaturen von 30-34 Grad, mit Spitzen bis 38 Grad. Wassertemperatur liegt dann bei 22-24 Grad — perfekt zum Baden. Für E-Bike-Anreisen bedeutet das: ab Mitte Juni reine Vormittags-Etappen vor 11 Uhr, danach Pause bis 17 Uhr, dann zweite Etappe bis 20 Uhr. Familien mit Söhnen unter 12 Jahren sollten Hochsommer-Anreisen meiden, weil der Mistral-Schutz fehlt und der Asphalt auf Radwegen über 50 Grad heiß wird. Mai und September sind die idealen Anreise-Monate.
Wie wahrscheinlich ist Mistral im Mai oder Juni in der Provence?
Im Jahresdurchschnitt weht der Mistral an etwa 100 Tagen pro Jahr in der Provence. Verteilung: Höhepunkt im Februar/März, niedrigster Wert im Juni. Im Mai liegt die Wahrscheinlichkeit für mindestens einen Mistral-Tag in einer Wochenetappe bei rund 60 Prozent, im Juni bei etwa 35 Prozent. Météo-France definiert Mistral als Wind mit Böen über 59 km/h aus Nordwesten, mindestens sechs Stunden anhaltend. Wer plant, sollte 48-72 Stunden im Voraus prüfen.
Wie reagiert ein E-Bike-Akku auf Hitze über 30 Grad?
Mechanisch unproblematisch — moderne E-Bike-Akkus tolerieren Lufttemperaturen bis 40 Grad ohne Leistungsverlust, sollten aber nicht in der prallen Sonne abgestellt werden (Akku-Lebensdauer leidet messbar). Bei integrierten Down-Tube-Akkus ist die Wärmeabfuhr besser als bei aufgesetzten Modellen. Tipp für die Pause: E-Bike im Schatten parken, Akku entnehmen und im Schatten lagern. Die Reifen werden bei Hitze weicher und greifen besser, allerdings auch anfälliger für Glasscherben. Trinkpausen alle 45 Minuten — gerade für die Söhne. Quelle: ADFC E-Bike-Empfehlungen.
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Alle Angaben ohne Gewähr. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Fachberatung. SNCF-Tarife, Bett+Bike-Verfügbarkeit, E-Bike-Reichweiten und Plage-Öffnungszeiten können sich kurzfristig ändern. Alle Bilder und Situationen in diesem Blog wurden durch KI künstlich erzeugt. Stand: Mai 2026.


